Brandschutzerziehung

Feuerwehrleute opfern für den "Unterricht" der Vier- bis Sechsjährigen sogar Urlaub

 

ILLERRIEDEN Etwas unbeholfen tippt Clemens die Notrufnummer ins Tastentelefon. 112. "Feuerwehr Leitzentrale Ulm, wie kann ich helfen?", meldet sich eine Männerstimme am anderen Ende. "Es brennt im Gang", sagt der Bub mit leiser Stimme. Dann schweigt er. Clemens heiße er und er wohne in Wangen, teilt er dem Mann auf dessen ruhiges Nachfragen mit. Wo genau, das will dem Fünfjährigen vor lauter Aufregung aber partout nicht mehr einfallen. Mit geschickten Fragen gelangt der Feuerwehrmann an weitere, womöglich lebenswichtige Informationen. Zum Schluss fordert er seinen kleinen Gesprächspartner auf: "Jetzt darfst Du auflegen." Der Junge atmet tief durch. Geschafft! "Auflegen": Das war das Stichwort, das sich die Vorschüler im Illerriedener Kindergarten ganz genau eingeprägt haben. Erst dann darf man ein Telefongespräch mit der Feuerwehr beenden.

Ernstes Rollenspiel Rund 20 Vorschulkinder im Illerrieder Kindergarten proben den Ernstfall an diesem Vormittag, und das äußerst ernsthaftig. Wählen die Buben und Mädchen die Feuerwehr-Notrufnummer, dann scheinen sie zu vergessen, dass sie sich in ihrem Kindergarten befinden und dass nicht die Ulmer Leitzentrale am Apparat, sondern ein Feuerwehrmann aus Illerrieden am anderen Telefon im Nebenzimmer sitzt. So sehr lassen sie sich auf das Rollenspiel ein, dass manche Szenen beklemmend real wirken.

Kindergartenleiterin Siglinde Andritsch nimmt den kleinen Clemens auf den Schoß. "Gut hast Du das gemacht", lobt sie den Buben und klärt ihn darüber auf, dass auch große Leute manchmal ihre Adresse, ja sogar ihren Namen vergessen, wenn sie ganz furchtbar aufgeregt sind.

Die Aufregung der Kinder weicht schnell gespannter Aufmerksamkeit, als Matthias Fischbach und Michael Heim aus ihrem Brandschutzkoffer große Zündholzschachteln ziehen und neben zwei mit Wasser gefüllte Gläser legen. Nur, wenn Erwachsene in der Nähe sind, dürfen Kinder Feuerzeug oder Streichholz benutzen, trichtern die 21-Jährigen ihrem aufmerksamen Publikum ein und demonstrieren, wie man ein Zündholz richtig anbrennt. "Immer vom Körper weg!"

Dass das Zündholz auch dann noch Schaden anrichten kann, wenn es bereits ausgeblasen wurde war einigen Buben und Mädchen nicht bekannt. Deshalb: "In Wasser tauchen oder bis zehn zählen, bevor Ihr es wegwerft!"

Wie zuvor schon Christian Bronner und Andreas Heilman bei der Gruppe zuvor, sind auch die beiden Feuerwehrmänner bei den "Großen" in ihrem Element, als sie erklären wie und warum es zu einem Brand kommen kann, und wie man sich dann richtig verhält. Alles wird mit Dias veranschaulicht. Es ist die erste Brandschutzerziehung der jungen Illerriedener Feurwehrmänner im Kindergarten und darauf wurden sie an fünf Abend gut vorbereitet. Von den Kollegen Markus Hermann und Erich Tezak, die in Stuttgart eine Zusatzausbildung zum Brandschutzerzieher ablegten. "So ausführlich und intensiv wurde das vorher noch nie praktiziert", sagt Herrmann. Das insgsamt zehnköpfige Brandschutzteam ist überzeugt von der Sache. Einige opfern dafür sogar Urlaubstage für den "Unterricht" im Kindergarten.

Unterdessen lässt Fischbach die Kinder an verkokelten Papierresten erschnüffeln, wie gefährlicher Brandgeruch riecht. Er schwört die Kinder darauf ein, im Falle eines Falles, "falls Ihr doch mal was angestellt habt mit Feuer", sofort Erwachsene zu informieren. "Ihr dürft Euch ja nicht verstecken, oder nichts sagen aus Angst!"

Ziemlich anstrengend

Außerdem erfahren die Kinder, dass Rauch nach oben steigt, der Brandschutzmelder deshalb an der Decke angebracht wird, und man im Ernstfall ein verqualmtes Zimmer kriechend am Boden verlässt, wo sich die Luft noch am längsten hält. Auch die Eltern wurden von der Feuerwehr zuvor in einem Elternabend instruiert. Die Kinder werden ihre groß angelegte Brandschutzerziehung mit einem Vor-Ort-Besuch bei der Feuerwehr abschließen; Wasserschlauch-Spritzen inclusive, versteht sich.

Auf eine Stunde haben die Feuerwehrleute ihren Unterricht im Kindergarten begrenzt. "Mehr kann man Vier- bis Sechsjährigen auch nicht zumuten", weiß die Kindergartenleiterin aus Erfahrung. Die Erzieerin hat ihre Vorschüler in einem mehrwöchigen Projekt ausführlich auf das Thema vorbereitet.

Platt sind am Ende auch die Feuerwehrmänner. "Ganz schön anstrengend", räumt Heim ein und Fischbach lässt wissen, dass es die unberechenbaren Fragen der Kinder sind, die noch so geschulte Referenten aus dem Konzept bringen können: Zum Beispiel: "Warum ist ein Feuerwehrauto rot?" Die Antwort bleiben Floriansjünger an diesem Vormittag schuldig.

Quelle: Südwest Presse Illertal Bote, vom 01.07.2006